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NACHHALTIGKEITSBERICHT 2014

Durch Bildung bessere Lebensverhältnisse schaffen

Kaffee wird rund um den Äquator angebaut – vor allem in Entwick­lungs­ländern. Dort sind Kaffee­farmer und ihre Familien häufig schwie­rigen sozialen Bedin­gungen ausge­setzt. Tchibo setzt sich im Rahmen seines gesell­schaft­lichen Engage­ments mit eigenen Projekten für bessere Lebens­ver­hält­nisse in den Ursprungs­ländern ein. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbst­hilfe“ bieten wir gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort vor allem bildungs- und berufs­ori­en­tierte Angebote für Kinder und Jugend­liche.

Guatemala: Kinder­be­treuung während der Kaffee-Erntezeit

In Guatemala, dem Ursprungsland hochwer­tiger Arabica-Bohnen für unseren Privat Kaffee Guatemala Grande, engagieren wir uns für die Betreuung der Kinder von Wander­ar­beitern und Erntehelfern. Die Schul­ferien überschneiden sich oft mit der Erntezeit der Kaffee­kir­schen. Da es kaum Betreu­ungs­an­gebote gibt, nehmen viele Wander­ar­beiter und Erntehelfer ihre Söhne und Töchter mit auf die Farmen. Während die kleinen Kinder dann an den steilen und gefähr­lichen Berghängen spielen, lassen die Eltern die größeren oft mitpflücken. Dadurch wird nicht selten die Grenze zu unzuläs­siger Kinder­arbeit überschritten. Deshalb ist es wichtig, Alter­na­tiven zu schaffen: Tchibo fördert daher Bildungs­pro­jekte und Betreu­ungs­mög­lich­keiten für Kinder in verschie­denen Regionen Guate­malas.

Gemeinsam mit der Coffee Care Association haben wir 2011 ein Pilot­projekt in der Region Huehue­tenango insbe­sondere für Wander­ar­beiter-Kinder ins Leben gerufen. Inzwi­schen betreiben wir dort während der Erntezeit sechs Kinder­ta­ges­stätten für Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren. Die Betreuung der Kinder erfolgt alters­ge­recht nach der Montessori-Methode. Die Kinder werden zudem in dem wichtigen Thema Hygiene geschult. Sie erhalten täglich gesunde Mahlzeiten und werden auch medizi­nisch versorgt. In der Erntezeit 2012/2013 haben wir an drei Stand­orten zusätzlich ein Pilot­projekt für 10- bis 13-Jährige initiiert, da insbe­sondere diese Alters­gruppe für die verbotene Kinder­arbeit gefährdet ist. Dort erlernen die Heran­wach­senden in sogenannten Ausbil­dungs­se­mi­naren praktische Fertig­keiten wie Backen oder Handar­beiten. 2014 haben wir unser Engagement in Huehue­tenago ausgebaut, sodass wir an insgesamt sechs Stand­orten sowohl Kinder­ta­ges­stätten als auch Seminare für die älteren Kinder anbieten. Über 500 Kinder haben 2014/2015 das Angebot angenommen. Das Projekt wird auch 2016 fortge­setzt.

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In der Region Chiquimula koope­rieren wir seit 2013 mit der weltweit größten Kinder­rechts­or­ga­ni­sation Save the Children. In den sechs Kinder­ta­ges­stätten werden die Kinder von Kaffee­pflückern im Alter von 3 bis 13 Jahren während der Erntezeit pädago­gisch und medizi­nisch betreut. Während der Erntezeit 2013/2014 wurden über 650 Kinder betreut, für die jüngste Pflück­saison 2014/2015 gab es mehr als 700 Anmel­dungen. Etwa 600 Mädchen und Jungen erhielten während der regulären Schulzeit zusätz­lichen Mathe­matik- und Leseun­ter­richt. Dafür hatten die Projekt­mit­ar­beiter rund 100 Lehrer pädago­gisch und fachlich fortge­bildet. Insgesamt wurde das Projekt bisher mit rund 2,4 Millionen Euro unter­stützt: Während der Aktions­zeiträume flossen mit jedem verkauften Pfund Tchibo Privat Kaffee 10 Cent in das Kinder­projekt, so kamen rund zwei Millionen Euro zusammen. Darüber hinaus wurden durch die Zusam­men­arbeit mit „RTL – Wir helfen Kindern“ und Patin Ulrike von der Groeben 470.000 Euro beim RTL-Spenden­ma­rathon im November 2014 für das Projekt gesammelt.

Nach anfäng­licher Skepsis bei den Eltern – Kitas gehören in Guatemala bislang nicht zum Alltag – wächst die Akzeptanz für die Einrich­tungen, und die Eltern lassen ihre Kinder während der Ernte­arbeit guten Gewissens dort betreuen. Aufgrund dieser positiven Entwicklung sowie des Erfolgs der Promotion-Aktion konnten wir das Projekt im Oktober 2014 auf die Region Jacal­tenango ausweiten, wo bis September 2018 vier weitere Kitas für mehr als 600 Kinder entstehen sollen, die dort während der Erntezeit betreut werden.

Tansania: Ausbil­dungs­si­tuation für Kinder und Jugend­liche verbessern

Aufgrund der erfolg­reichen Zusam­men­arbeit in Guatemala engagieren wir uns gemeinsam mit unserem Projekt­partner Save the Children seit Juni 2015 auch in Tansania für die Verbes­serung der Bildungs­si­tuation von Kindern und Jugend­lichen. In Tansania ist das Arbeiten auf den zerti­fi­zierten Kaffee­farmen in der Regel erst ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Die Jugend­lichen beenden die Schulzeit häufig bereits im Alter von 13 bis 15 Jahren und haben kaum Möglich­keiten, im Anschluss eine Ausbildung zu beginnen: Die Ausbil­dungs­stätten sind oftmals aufgrund ihrer Entfernung unerreichbar oder es fehlt der erfor­der­liche Schul­ab­schluss.

Wir wollen mit diesem Projekt erreichen, dass mehr Kinder – vor allem Mädchen – regel­mäßig eine Schule besuchen und dass durch eine Verbes­serung des Unter­richts mehr Jugend­liche die Grund­schule erfolg­reich beenden. Außerdem sollen mehr Schüler nach der Grund­schule ihre Ausbildung an einer weiter­füh­renden Schule fortsetzen können. Das Projekt wendet sich aber nicht nur an Schüler, sondern auch an Eltern und Lehrer: Eltern werden bestärkt, sich für die Bildung ihrer Kinder einzu­setzen und diese einzu­fordern. Lehrer werden durch Fortbil­dungen in die Lage versetzt, den Unter­richt praxis­näher und für die Entwicklung der Kinder förder­licher zu gestalten.

Jugend­liche und junge Erwachsene sind ebenfalls in das Projekt einge­bunden: Auch hier sollen vor allem Mädchen und Frauen in die Lage versetzt werden, eigenes Einkommen zu erzielen. Dafür ist geplant, ab 2016 Ausbil­dungs­stätten zu schaffen, in denen die jungen Erwach­senen zum Näher oder Tischler ausge­bildet werden können.

Mount Kenya: Stärkung der Rolle der Farmer­frauen

In der Region am Mount Kenya leben die meisten Menschen von der Landwirt­schaft. Neben Gemüse und Bananen wird dort vor allem Kaffee angebaut, der aufgrund seines Aromas zu den besten der Welt zählt. Die Frauen werden tradi­ti­ons­gemäß nur unzurei­chend an den Erlösen aus dem Kaffee­anbau beteiligt. Ihnen fehlen deshalb die finan­zi­ellen Mittel für eine entschei­dende Verbes­serung der Lebens­ver­hält­nisse ihrer Familien und oft auch wichtige Kennt­nisse, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. An diesem Punkt setzt Tchibo mit dem Mount Kenya Projekt an. Gemeinsam mit den Frauen der Farmer­ko­ope­rative Baragwi haben wir analy­siert, wo der Bedarf für Unter­stützung am größten ist. Daraus ergaben sich vier Teilpro­jekte: Verbes­serung der Wasser­ver­sorgung, Anschaffung von Nutztieren, Versorgung mit Baustoffen und Bildung. Von 2011 bis 2013 haben wir über 1.000 Farmer­frauen und ihre Familien gezielt bei der Umsetzung der Teilpro­jekte unter­stützt. So wurden beispiels­weise eine zwölf Kilometer lange Wasser­leitung gebaut und energie­spa­rende Öfen angeschafft. Aufgrund der positiven Erfah­rungen haben wir unsere Unter­stützung auf fünf weitere Koope­ra­tiven am Mount Kenya ausge­weitet: In sieben Teilpro­jekten wurden unter anderem Brunnen gebaut und verschiedene Einrich­tungen geschaffen. Dazu zählen Klassen­räume auch für lernbe­hin­derte Kinder, eine Vielzweck­halle und ein Schul­labor. Auch dieses Projekt konnte 2013 erfolg­reich zum Abschluss gebracht werden.

Eine anschlie­ßende Befragung der Farmer­frauen in Baragwi ergab folgende Ergeb­nisse:

  • Für einen Großteil der Haushalte im Teilprojekt Wasser ist Trink­wasser inzwi­schen auch während Trocken­pe­rioden verfügbar. Familien nutzen die neuen Wasser­lei­tungen, um weitere Einkom­mens­quellen zu erschließen oder die Ernährung zu verbessern, beispiels­weise durch Gemüse­gärten.
  • Mit Krediten aus dem Projekt­fonds konnten die Frauen aus der neu gegrün­deten Verei­nigung Mount Kenya Dairy mehrere Kühe anschaffen, um den Ackerbau zu ergänzen. Die Milch der Kühe verschafft ihnen zusätz­liche Einnahmen, der Dung kann als kosten­loser Dünger für die Farm benutzt werden.
  • Eine der größten Verbes­se­rungen war nach Ansicht der Frauen der Aufbau eines gemein­samen Netzwerks. Die Frauen­gruppen aus den einzelnen Dörfern handeln nun nicht mehr isoliert, sondern können vonein­ander lernen und gemeinsam ihre Situation verbessern.


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Im Jahr 2014 konnten die Frauen restliche Geldmittel des Fonds nutzen, um ihre Eigen­stän­digkeit weiter zu erhöhen: Sie organi­sierten Trainings zu Manage­ment­tech­niken sowie nachhal­tigen Anbau­prak­tiken und finan­zierten kleinere Anschaf­fungen.

Das Projekt Mount Kenya hat das Selbst­be­wusstsein vieler Frauen gestärkt. Auch in den Familien und den Gemein­schaften beginnt sich die Stellung von Frauen in dieser Region zu wandeln. In den Kirchen­ge­meinden und anderen Insti­tu­tionen übernehmen sie zunehmend verant­wort­li­chere Positionen. Nach dem Abschluss der Trainings haben die Frauen aus ihren selbst gegrün­deten Projekt­gruppen ein Komitee Mount Kenya Projekt gebildet, das die Projekt­leitung übernommen hat und die enge Zusam­men­arbeit der Frauen fortsetzen will.

Das gibt es nur bei Tchibo