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NACHHALTIGKEITSBERICHT 2014

Nachhaltigkeit als Geschäftsprinzip

Die Wertschöp­fungs­kette unserer Gebrauchs­ar­tikel ist komplex. Sie hinsichtlich ökolo­gi­scher und sozialer Aspekte nachhal­tiger zu gestalten, erfordert ein konse­quentes Umsteuern auf vielen Ebenen: Innerhalb unseres Unter­nehmens haben wir Nachhal­tigkeit in sämtliche Prozesse integriert – vom Produkt­design über den Einkauf bis zum Quali­täts­ma­na­gement. Gleich­zeitig werden wir mit unter­neh­mens­über­grei­fenden Heraus­for­de­rungen konfron­tiert, die wir nur gemeinsam mit starken Partnern lösen können. Dazu arbeiten wir intensiv mit weiteren Handels­un­ter­nehmen, Produ­zenten, Regie­rungen, Gewerk­schaften und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen zusammen.

Nachhal­tigkeit ist bei Tchibo in die Unter­neh­mens­stra­tegie integriert und somit auch Bestandteil aller Geschäftspro­zesse. Der Tchibo Social and Environ­mental Code of Conduct (SCoC), den wir in Zusam­men­arbeit mit Stake­holdern entwi­ckelt haben, bildet dafür die Grundlage. Im Zuge der konti­nu­ier­lichen Weiter­ent­wicklung unseres Ansatzes und unserer Programme passen wir auch den SCoC an aktuelle Anfor­de­rungen an – zuletzt 2014 für den Aufbau der Umweltau­di­tierung unserer Produ­zenten.

Tchibo Social and Environ­mental Code of Conduct (SCoC) (Download)

Die Basis für die Zusam­men­arbeit mit unseren Liefe­ranten bildet der Tchibo SCoC: Er definiert Mindest­an­for­de­rungen an Arbeits­be­din­gungen und Umwelt­stan­dards in der Produktion unserer Gebrauchs­ar­tikel. Er wurde 2006 als Tchibo Social Code of Conduct entwi­ckelt. Die sozialen Anfor­de­rungen basieren auf den Kernar­beits­normen der Inter­na­tio­nalen Arbeits­or­ga­ni­sation (ILO), der Allge­meinen Erklärung der Menschen­rechte der UN und beziehen sich auf den „Base Code“ der Ethical Trading Initiative (ETI) sowie den SA8000-Standard. 2011 haben wir neben sozialen Aspekten auch Umweltan­for­de­rungen definiert und den Kodex zum Tchibo Social and Environ­mental Code of Conduct weiter­ent­wi­ckelt (weiterhin abgekürzt SCoC). Die Umweltan­for­de­rungen beruhen auf den ökolo­gi­schen Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen. Als Vertrags­be­standteil ist dieser Verhal­tens­kodex verpflichtend für alle Liefe­ranten und Geschäfts­partner. Mit Unter­zeichnung des SCoC verpflichten sich unsere Produ­zenten auf soziale und ökolo­gische Standards in den Produk­ti­ons­stätten. Dazu gehören beispiels­weise Obergrenzen für Arbeits­zeiten, das Verbot von Kinder­arbeit oder Diskri­mi­nierung, die Vermeidung negativer Umwelt­aus­wir­kungen und die Anerkennung von Gewerk­schafts­rechten.

Um die Einhaltung des SCoC voran­zu­treiben und die Anfor­de­rungen der „Ruggie-Prinzipien“ (Leitprin­zipien für Unter­nehmen und Menschen­rechte der Vereinten Nationen) zu erfüllen, setzen wir auf drei Ebenen an:

  • Innerhalb des Unter­nehmens: konti­nu­ier­liche Analyse interner Prozesse und enge Verzahnung mit den Abtei­lungen Produkt­design, Einkauf und Quali­täts­ma­na­gement
  • Im Austausch mit unseren Geschäfts­partnern: Definition verbind­licher Mindest­stan­dards für die geschäft­liche Zusam­men­arbeit und inten­siver Dialog mit Liefe­ranten für Lösungen innerhalb der Liefer­ketten im Hinblick auf ökolo­gische und soziale Heraus­for­de­rungen
  • Gemeinsam mit relevanten Stake­holdern: unter­neh­mens­über­grei­fende Zusam­men­arbeit zur Bearbeitung struk­tu­reller Heraus­for­de­rungen

Innerhalb des Unter­nehmens: Analyse und Weiter­ent­wicklung unserer Einkaufs­po­litik

Wir analy­sieren konti­nu­ierlich unsere internen Prozesse, um Verbes­se­rungs­po­ten­ziale zu identi­fi­zieren. Der Schwer­punkt unserer Arbeit liegt dabei auf der verant­wor­tungs­vollen Gestaltung unserer Einkaufsprak­tiken. Dabei stellen wir uns die Frage, ob und wie sich unser Einkaufs­ver­halten auf Bedin­gungen in der Produktion auswirkt. An welchen Hebeln müssen wir ansetzen, um sicher­zu­stellen, dass Einkaufs­ent­schei­dungen und Abwick­lungs­pro­zesse soziale und ökolo­gische Bedin­gungen in unseren Liefer­ketten unter­stützen? Deshalb bauen wir konti­nu­ierlich unsere strate­gi­schen Partner­schaften aus und sichern unseren Partnern Einkaufs­vo­lumina zu, damit diese eine bessere Planungs­si­cherheit haben. Auch führen wir regel­mäßig einen Abgleich unseres Produ­zen­ten­port­folios mit den aktuellsten wirtschaft­lichen, politi­schen und sozialen Entwick­lungen in den wichtigsten Beschaf­fungs­märkten durch, so zum Beispiel in China, Bangla­desch und Äthiopien. Wir wollen verläss­licher und verant­wor­tungs­voller Partner für unsere Liefe­ranten sein, um eine nachhaltige Entwicklung ihrer Produk­ti­ons­stätten zu forcieren.

Im Austausch mit unseren Geschäfts­partnern: gemeinsam im Dialog

Die im SCoC festge­schrie­benen Standards lassen sich nicht allein durch die Vorgabe und Überprüfung von Standards durch­setzen. Erfor­derlich ist ein dauer­haftes Engagement bei den Herstellern vor Ort und der Wille, die unter­schied­lichen Heraus­for­de­rungen in den einzelnen Produk­ti­ons­stätten zu erkennen. Deshalb unter­stützen wir unsere Produ­zenten seit 2007 mit dem langfristig angelegten Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality) (Nachhaltige Liefer­ketten). Im Zuge des Programms unter­stützen wir unsere Liefe­ranten nicht nur bei der Einhaltung von Sozial­stan­dards, sondern vermitteln ihnen auch, wie sie Umweltan­for­de­rungen berück­sich­tigen und zum Klima­schutz beitragen können.

Damit in den Programmen entwi­ckelte Lösungs­an­sätze möglichst breiten­wirksam für alle unsere Produ­zenten zugänglich werden, bieten wir ihnen eine Plattform für den gemein­samen Erfah­rungs­aus­tausch: Hierfür haben wir 2012 die Tchibo Vendor Days entwi­ckelt. Mit ihnen verbessern wir den Wissen­stransfer und inten­si­vieren gleich­zeitig die Bindung zu unseren Haupt­lie­fe­ranten.

Vonein­ander lernen auf den Tchibo Vendor Days

2014 fanden zum dritten Mal die Tchibo Vendor Days statt. Im November 2014 begrüßten wir hierzu 45 unserer wichtigsten Liefe­ranten in Hongkong, wo wir eines unserer beiden Einkaufs­büros betreiben. Mit den Büros unter­stützen wir die zentrale Beschaffung von Gebrauchs­ar­tikeln in unseren asiati­schen Beschaf­fungs­märkten und begleiten die Produk­ti­ons­be­triebe vor Ort bei der Umsetzung von Qualitäts-, Sozial- und Umwelt­stan­dards. Die dritten Tchibo Vendor Days standen unter dem Motto „Together for Change“. Tchibo Geschäfts­führung, Einkaufs­ver­treter und Nachhal­tig­keits­ver­ant­wort­liche tauschten sich mit Liefe­ranten über ökono­mische, ökolo­gische und soziale Heraus­for­de­rungen in den Liefer­ketten aus und disku­tierten Lösungs­an­sätze auf Ebene der Produk­ti­ons­stätten. Die Vendor Days wurden zudem genutzt, um bereits vorbild­liche Betriebe vorzu­stellen und diese Beispiele mit unseren Liefe­ranten zu teilen. Präsen­tiert wurden unter anderem WE Produk­ti­ons­stätten und umwelt­freund­liche Fabrik­kon­zepte.

Gemeinsam mit relevanten Stake­holdern: unter­neh­mens­über­grei­fende Zusam­men­arbeit für Antworten auf struk­tu­relle Heraus­for­de­rungen

Häufig begegnen wir in unserer Wertschöp­fungs­kette struk­tu­rellen Heraus­for­de­rungen, die eine Umstellung auf nachhal­tiges Wirtschaften erschweren: In Bangla­desch bestehen immer noch gravie­rende Mängel in der Gebäu­de­si­cherheit und im Brand­schutz vieler Betriebe. In vielen asiati­schen Ländern reichen die Löhne außerdem häufig nicht für den Lebens­un­terhalt der Arbeiter und ihrer Familien. Diese Probleme können durch einzelne Unter­nehmen nicht bewältigt werden. Deshalb versuchen wir gemeinsam mit Arbeit­gebern, Gewerk­schaften, Politik und anderen Handels­un­ter­nehmen, Schritt für Schritt globale Lösungen zu imple­men­tieren.

Gemeinsam mit der Indus­triALL Global Union für Arbei­ter­rechte aktiv

Mit der inter­na­tio­nalen Textil­dach­ge­werk­schaft Indus­triALL Global Union und europäi­schen Textil­händlern entwi­ckeln wir derzeit einen Prozess, mit dem wir gemeinsam weltweit Verbes­se­rungen für Beschäf­tigte in der Beklei­dungs­in­dustrie durch­setzen wollen: Im Mittel­punkt der Initiative ACT (Action, Colla­bo­ration, Trans­for­mation) stehen den Lebens­un­terhalt deckende Löhne, sogenannte Living Wages, sowie das Recht, sich gewerk­schaftlich zu organi­sieren und Tarif­ver­hand­lungen durch­zu­führen (Soziale Aspekte der Produktion).

Bei unseren Koope­ra­tionen setzen wir vor allem auf eine stärkere Arbeit­neh­mer­be­tei­ligung und -Inter­es­sens­ver­tretung. Die Einbe­ziehung der Fabrik­ar­beiter vor Ort ist deshalb auch ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit im Rahmen des Gebäu­de­si­cher­heits- und Brand­schutz­ab­kommens „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“. Tchibo hat das Abkommen mitent­wi­ckelt und im Jahr 2012 als eines der beiden ersten Unter­nehmen weltweit unter­zeichnet (Soziale Aspekte der Produktion).

Eine weitere wichtige Allianz ist das 2014 durch den Bundes­mi­nister für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, initi­ierte Bündnis für nachhaltige Textilien. Zu seinen Initia­toren gehörten außerdem Reprä­sen­tanten der Spitzen­ver­bände des Handels und der Industrie, von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen, Gewerk­schaften und nicht kommer­zi­ellen Standard­or­ga­ni­sa­tionen. Tchibo und weitere große Markteil­nehmer der Textil­wirt­schaft schlossen sich dem Bündnis im Juni 2015 an. Es reprä­sen­tiert in Deutschland inzwi­schen mehr als 50% der Textil­wirt­schaft. Derzeit arbeiten die Partner an der Ausge­staltung eines gemein­samen Aktions­plans, der die Umsetzung von Umwelt- und Sozial­stan­dards auf allen Stufen der textilen Liefer­kette voran­bringen soll (Anspruch und Strategie).  

Das gibt es nur bei Tchibo