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NACHHALTIGKEITSBERICHT 2014

Strategische Partnerschaften mit Lieferanten festigen, Dialoge fördern

Auf unserem Weg zu einer 100% nachhal­tigen Geschäftstä­tigkeit setzen wir uns dafür ein, dass bei der Produktion unserer Gebrauchs­ar­tikel soziale und ökolo­gische Anfor­de­rungen einge­halten werden. In unserer Einkaufss­tra­tegie bauen wir auf stabile Partner­schaften und arbeiten im Rahmen unseres Liefe­ran­ten­qua­li­fi­zie­rungs­pro­gramms WE (Worldwide Enhan­cement of Social Quality) eng mit unseren strate­gi­schen Produ­zenten zusammen. Dabei entwi­ckeln wir gemeinsam mit dem Management und den Beschäf­tigten konkrete Lösungen, um Arbeits­be­din­gungen und Umwelt­schutz vor Ort zu verbessern. Neue Produ­zenten und Liefe­ranten in Ländern, in denen wir bisher noch kein WE Programm aufgebaut haben, überprüfen wir durch Sozial- und Umweltaudits. Für mögliche neue Vertrags­partner gilt: Nur wenn sie unseren Mindest­an­for­de­rungen entsprechen, platzieren wir bei ihnen Aufträge.

In unseren Einkaufspro­zessen setzen wir verstärkt auf langfristige Liefer­be­zie­hungen mit strate­gisch wichtigen Partnern. Wir arbeiten gemeinsam mit den Produ­zenten und Liefe­ranten unserer Gebrauchs­ar­tikel an dauer­haften Verbes­se­rungen der sozialen und ökolo­gi­schen Bedin­gungen in den Produk­ti­ons­stätten: Mit unserem Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE haben wir einen Rahmen geschaffen, in dem Beschäf­tigte und Manager in den Fabriken die für sie notwen­digen Lösungen selbst entwi­ckeln können. Produk­ti­ons­stätten, die noch nicht einbe­zogen sind, überprüfen wir im Rahmen unseres Monito­ring­pro­gramms auf Einhaltung der sozialen und ökolo­gi­schen Kriterien des Tchibo Social and Environ­mental Code of Conduct (SCoC).

Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE: vom Pilot­projekt zum Ansatz mit Breiten­wirkung

WE unter­stützt Produ­zenten in Entwick­lungs- und Schwel­len­ländern, Sozial­stan­dards in ihren Betrieben einzu­halten. Grundlage bilden die im SCoC definierten Standards. Darüber hinaus wurden ökono­mische Aspekte wie Qualität, Produk­ti­vität und Effizienz in WE integriert, da auch diese sich positiv auf Themen wie Arbeits­zeiten oder Bezahlung auswirken können. Mit WE können die Produ­zenten gezielt die Themen mit dem größten Handlungs­bedarf angehen und eigene Schwer­punkte setzen. In den WE Trainings vermitteln wir unseren Liefe­ranten seit 2014 neben sozialen Aspekten auch, wie sie Umweltan­for­de­rungen berück­sich­tigen und zum Klima­schutz beitragen können (Ökolo­gische Aspekte der Produktion).

Integration aller Betei­ligten durch das Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm WE

WE beruht auf einem innova­tiven, dialo­g­ori­en­tierten Ansatz, bei dem Manager und Fabrik­ar­beiter sich auf Augenhöhe über betrieb­liche Angele­gen­heiten wie faire Löhne, Arbeits­schutz oder Produk­ti­ons­pro­zesse austau­schen. Geschulte WE Trainer helfen ihnen dabei, die jeweils andere Perspektive zu verstehen und jene Verbes­se­rungen am Arbeits­platz einzu­leiten, die von ihnen zuvor im Dialog als notwendig oder wünschenswert erkannt wurden. Auch weniger offen­sicht­liche Missstände wie die Diskri­mi­nierung von Arbeitern oder die Missachtung ihrer Arbeit­neh­mer­rechte können so in den Blick genommen werden. Die Pilotierung des WE Programms (2007–2011) erfolgte im Rahmen einer Entwick­lungs­part­ner­schaft zwischen der Tchibo GmbH und der Deutschen Gesell­schaft für Inter­na­tionale Zusam­men­arbeit (GIZ) GmbH, gefördert durch das Bundes­mi­nis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung (BMZ). Seit Abschluss der Pilot­phase hat Tchibo das WE Programm auf alle strate­gi­schen Liefe­ranten ausge­weitet; bisher haben 320 daran teilge­nommen (Link zu Nachhaltige Liefer­ketten).


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Dialog als Schlüssel zum Erfolg: 40 lokale Trainer unter Vertrag
Manager und Vertreter der Beschäf­tigten aus den Betrieben erarbeiten im Dialog gemeinsam Lösungen für verbes­serte soziale und ökolo­gische Bedin­gungen. Kultu­relle, organi­sa­to­rische und andere Hürden können so erkannt und durch gezielte Moderation schritt­weise überwunden werden. Diese Heran­ge­hens­weise sorgt dafür, dass die verein­barten Maßnahmen sowohl aus Sicht des Manage­ments als auch aus Sicht der Beschäf­tigten sinnvoll erscheinen und Akzeptanz finden. Damit verbessert sich die Aussicht, dass sie auch umgesetzt werden. Lokale Trainer spielen hierbei eine Schlüs­sel­rolle, denn sie sind mit der Kultur der jewei­ligen Region vertraut und sprechen die Sprache der Beschäf­tigten und Manager. Mittler­weile haben wir 40 WE Trainer ausge­bildet und unter Vertrag.

Positive Wirkung erzielt: 75% Einkaufs­vo­lumen von WE Produ­zenten

Mit dem WE Programm unter­stützen wir bereits mehr als ein Drittel unserer Gebrauchs­ar­ti­kel­her­steller dabei, Sozial- und Umwelt­stan­dards umzusetzen. Bis Ende 2014 waren 320 Produk­ti­ons­stätten aus neun Ländern in Asien und Afrika in das Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm einge­bunden (Äthiopien, Bangla­desch, China, Indien, Kambo­dscha, Laos, Thailand, Türkei, Vietnam). 2014 wurden rund 60% unserer Einkaufspro­jekte im Rahmen von WE durch­ge­führt. Das entspricht einem Einkaufs­vo­lumen von 66%.

Im Verkaufsjahr 2015 werden bereits rund 75% unseres Einkaufs­vo­lumens an Gebrauchs­ar­tikeln von Produ­zenten in Risiko­ländern herge­stellt, die das Quali­fi­zie­rungs­pro­gramm erfolg­reich durch­laufen haben. Der Ansatz „Dialog statt erhobener Zeige­finger“ zeigt Wirkung. Bei den in das Programm einbe­zo­genen Fabriken wurden Gesund­heits- und Arbeits­schutz verbessert, Löhne erhöht und bessere Sozial­leis­tungen wie Unter­künfte, Kanti­nen­essen und Möglich­keiten zur Freizeit­ge­staltung einge­führt. In immer mehr Produk­ti­ons­stätten treten gewählte Arbeit­neh­mer­ver­treter für die Belange ihrer Kollegen ein, ohne dabei Angst vor Sanktionen haben zu müssen. Mittel­fristig wollen wir alle strate­gi­schen Liefe­ranten in WE einbe­ziehen.

Wir befragen unsere Liefe­ranten regel­mäßig nach Verbes­se­rungs­vor­schlägen und passen WE konti­nu­ierlich an die Bedürf­nisse der Beschäf­tigten an. So können wir noch besser auf den indivi­du­ellen Bedarf vor Ort eingehen und unsere Kapazi­täten dort einsetzen, wo sie am nötigsten sind. Mit dem WE Ansatz wollen die GIZ und Tchibo eine größt­mög­liche Breiten­wirkung erzielen. Daher stellen wir sowohl den Quali­fi­zie­rungs­ansatz als auch die Projekt­me­thoden als Referenz­modell zur Verfügung. So können auch andere Unter­nehmen auf Anfrage (und bei Verfüg­barkeit) auf ausge­bildete lokale Trainer und entwi­ckelte Trainings­ma­te­rialien zugreifen.

Monitoring von Sozial- und Umwelt­stan­dards als Beitrag zum Risiko­ma­na­gement

Mit WE erreichen wir bislang noch nicht alle Produ­zenten unserer Gebrauchs­ar­tikel. Im Rahmen unseres Risiko­ma­na­ge­ments betreiben wir darum ergänzend ein gezieltes Monitoring unserer Produk­ti­ons­stätten auf der Grundlage des SCoC. Es beinhaltet knapp 30 Kriterien aus den Bereichen Brand­schutz, Arbeits­si­cherheit und Gesund­heits­schutz, Löhne, Arbeits­be­din­gungen und Umwelt, deren Einhaltung wir nach dem Null-Toleranz-Prinzip überprüfen.

Unser Produ­zen­ten­mo­ni­toring haben wir 2014 grund­legend überar­beitet. Ausschlag­gebend dafür war unsere Erfahrung, dass Sozial­audits an Grenzen stoßen, wenn es darum geht, substan­zielle Fortschritte zu erzielen: Sie zeigen in der Regel nur die zum Zeitpunkt der Prüfung offen­kun­digen Mängel auf und setzen Fehlan­reize. So konzen­trieren sich die Verant­wort­lichen vor Ort mit großem Aufwand auf die punktu­ellen Audits, anstatt dauer­hafte Verän­de­rungen einzu­leiten. Teilnahme und Engagement der Fabrik­ar­beiter werden dabei nicht gefördert. Außerdem arbeiten manche Produ­zenten mit einer doppelten Buchführung, um Missstände vor den Prüfern zu verbergen. Vor diesem Hinter­grund setzen wir in der Zusam­men­arbeit mit unseren beste­henden Liefe­ranten in erster Linie auf den partner­schaft­lichen WE Ansatz, weil dieser für mehr Trans­parenz sorgt und damit mehr Wirkung zeigt.

Neuaus­richtung des Produ­zen­ten­mo­ni­to­rings 2014

Im Rahmen unseres Produ­zen­ten­mo­ni­to­rings führen wir zwar weiterhin Audits durch, jedoch verstehen wir diese seit 2014 primär als Werkzeug, um eine effiziente Vorauswahl unter poten­zi­ellen neuen Liefe­ranten zu treffen. Deshalb haben wir den Zeitpunkt der Auditierung vorge­zogen und prüfen nun alle Liefe­ranten vor Vertrags­vergabe. Eine Durch­führung von Audits, die sich auf ausge­wählte Kriterien zum Arbeits­schutz und eine Bewertung des Perso­nal­ma­na­ge­ment­systems konzen­trieren, ist sinnvoll und liefert durch punktuelle Fabrik­be­suche wichtige Erkennt­nisse. Die Themen Diskri­mi­nierung und Verei­ni­gungs­freiheit werden in unseren erneu­erten Audit­for­maten nicht mehr abgefragt. Wir haben die Erfahrung gemacht, in Bezug auf diese Kriterien über Auditie­rungen allein keine verläss­lichen Infor­ma­tionen zu erhalten.

Das Audit­er­gebnis bestimmt die Einkaufs­ent­scheidung: Nur wer die definierten Mindest­an­for­de­rungen erfüllt, wird in unser Portfolio aufge­nommen – unabhängig von Produkt­gruppe und Bestell­vo­lumen. Auch bei beste­henden Liefe­ranten können wir nicht vollständig auf Audits verzichten und prüfen diese im Rahmen der vorge­schrie­benen Fristen alle drei Jahre. Um die Zahl der (Nach-)Audits zu reduzieren, akzep­tieren wir seit 2014 in bestimmten Fällen jedoch auch Foto- und Video­ma­terial oder Prüfzer­ti­fikate unabhän­giger Standard­or­ga­ni­sa­tionen als Belege. Regulären Liefe­ranten (einschließlich der Teilnehmer des WE Programms) räumen wir für die Besei­tigung von beanstan­deten Null-Toleranz-Mängeln eine Frist von vier Wochen ein. Wird diese Frist nicht einge­halten, setzen wir den betref­fenden Liefe­ranten auf eine Sperr­liste. Dann können keine neuen Aufträge mehr platziert werden, bis die Mängel abgestellt sind.

Bei den Audits verfolgen wir je nach Risikoein­schätzung und unserer Präsenz vor Ort verschiedene Ansätze: In Ländern, in denen wir über eigenes Personal verfügen, das die Landes­s­prache beherrscht, führen wir mit unseren internen Quali­täts­au­di­toren Fabri­kaudits durch. In anderen Risiko­märkten übernehmen externe Dienst­leister, die über die nötigen Fach- und Sprach­kennt­nisse verfügen, sogenannte Risiko- und Compliance-Audits.

Produ­zen­ten­mo­ni­toring 2014: Kennzahlen
2014 betrug die Gesamtzahl der Audits 586. Davon waren 439 interne und 147 externe Audits. Da wir in vorhe­rigen Berichten interne Audits nicht mitge­zählt haben und seit 2014 jeden Produ­zenten vor möglicher Vertrags­vergabe auditieren, sind die Zahlen mit den Vorjah­res­zahlen nicht vergleichbar. Bei externen Sozial- und Umweltaudits stieg die Zahl von 113 auf 147 im Jahr 2014. Dieser Anstieg erklärt sich mit einer verän­derten Vorge­hens­weise: Prüfungen werden inzwi­schen zu einem früheren Zeitpunkt im Einkaufsprozess durch­ge­führt. Dadurch auditieren wir auch Fabriken, die später nicht zum Einsatz kommen. Seit 2014 auditieren wir zunehmend mehr Vorlie­fe­ranten und Produ­zenten von Verpa­ckungen.

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