Nachhaltigkeitsbericht 2010

Verantwortung in Lieferketten

Ob Kaffee oder Gebrauchsartikel: Tchibo setzt sich in seinen Lieferketten für die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt ein.

„Wir wissen heute, wie wichtig nachhaltige Anbaumethoden sind“

Patrick Munyui, Vorsitzender der Farmerkooperative von Baragwi, über den Klimawandel, nachhaltige Anbaumethoden und die eigene Baumschule.

Die Kooperative Baragwi liegt im Ort Kirinyaga, mitten im Hochland Kenias. Die insgesamt 12.000 aktiven Mitglieder bewirtschaften Farmen an den fruchtbaren Vulkanhängen der Aberdare Range. Patrick Munyui ist einer von ihnen. Seit 2001 Mitglied im Vorstand, wurde der 49-Jährige 2003 zum Vorsitzenden der Genossenschaft gewählt und 2011 auf weitere drei Jahre bestätigt. Im Interview spricht er darüber, wie die von Tchibo unterstützte Partnerschaft dazu beiträgt, Antworten auch auf die Herausforderung „Klimawandel“ zu finden.


Herr Munyui, seit 2009 läuft das Projekt von Tchibo, ECOM Coffee und Rainforest Alliance mit dem Ziel, die Kooperative nach dem Standard der Rainforest Alliance zu zertifizieren. Seit Mai 2010 nimmt Ihre Kooperative zusätzlich an der Entwicklungspartnerschaft mit ECOM Coffee, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Weltbank, der 4C Association, Tchibo und der Rainforest Alliance teil. Was hat sich seitdem verändert?

Über die Projektaktivitäten haben wir die Möglichkeit, die Farmer in unserer Kooperative besser zu schulen. Sie nehmen an regelmäßigen Trainings teil, in denen sie alles rund um den modernen Kaffeeanbau lernen: vom richtigen Umgang mit Düngemitteln bis zu ökologisch nachhaltigen Anbaumethoden. Wir wollen unser Anbaugebiet mit mehr Nachhaltigkeit auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten – die Partnerschaft hilft uns, auf diesem Weg voranzukommen. Dabei fließen die einzelnen Aktivitäten der Projekte oft ineinander, weil es im Kern bei beiden um nachhaltiges Wirtschaften geht.

Welche Erfolge haben Sie bereits erzielt?

Wir haben hart an einer Zertifizierung nach dem Standard der Rainforest Alliance gearbeitet. Im vergangenen Jahr haben uns unabhängige Auditoren einen Besuch abgestattet und uns einen Katalog mit Korrekturmaßnahmen an die Hand gegeben. Die vergangenen Monate haben wir genutzt, die Anforderungen der Rainforest Alliance Punkt für Punkt zu erfüllen. Vor kurzem haben wir das Zertifikat erhalten – das ist ein großer Erfolg.

Und welchen Herausforderungen stehen Sie gegenüber?

Die größten Herausforderungen ergeben sich aus dem Klimawandel. Seine Folgen bekommen unsere Farmer zunehmend zu spüren. Die Niederschläge lassen sich beispielsweise nicht mehr so gut vorhersagen wie noch vor einigen Jahren. Oft regnet es so heftig, dass die Kaffeepflanzen in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann wieder leiden wir unter langen Dürrezeiten, gerade in den tiefer gelegenen Regionen unserer Kooperative. Auch die Temperaturen schwanken zunehmend – dadurch werden unsere Pflanzen anfälliger für Krankheiten und der Wachstums- und Erntezyklus ist schwieriger vorherzusehen.

Gibt es Möglichkeiten, diese Entwicklung zu stoppen?

Es gibt zumindest Möglichkeiten, den negativen Auswirkungen der Wetterveränderungen auf den Kaffeeanbau entgegenzuwirken. Dazu müssen wir natürlich zunächst verstehen, wie sich unser Verhalten – wie etwa Abholzung oder der Anbau in unmittelbarer Nähe von Wasserläufen – auf das lokale Wetter auswirken. Die Trainingsmaßnahmen haben dazu beigetragen, dass wir heute ein größeres Bewusstsein für diese Zusammenhänge haben. Jetzt können wir reagieren.

Inwiefern?

Heute wissen wir beispielsweise, wie wichtig es ist, lokale Baumarten auf unseren Feldern und unserem Land zu pflanzen. Sie schützen unsere empfindlichen Arabica-Gewächse vor zu starker Sonneneinstrahlung und verringern die Auswirkungen heftiger Regengüsse. Gleichzeitig tragen die Wurzeln der Bäume dazu bei, die Qualität des Bodens zu erhalten, den Wasserhaushalt zu regeln und Erosionsprozesse zu bremsen. Dämme schützen bei Schlagregen davor, dass die fruchtbare Erde weggespült wird. Gemeinsam mit den Experten haben wir sogar eine kleine Baumschule angelegt, in der wir die Setzlinge sowohl für neue Kaffeepflanzen als auch heimische Schattenbäume züchten.

Mit Setzlingen gegen den Klimawandel?

Natürlich ist das nur eine von mehreren Maßnahmen, mit denen wir auf die Herausforderung Erderwärmung reagieren. Wir testen beispielsweise auch Kaffeepflanzen, die besser mit den Temperaturschwankungen zurechtkommen. Insgesamt, denke ich, können wir aber zuversichtlich in die Zukunft schauen und unsere Produktionsmengen auch unter schwierigen Vorzeichen weiter steigern – und das auf gewohnt qualitativ hochwertigem Niveau. Ich bin übrigens nicht der Einzige, der optimistisch ist – viele der jungen Farmer, denen das Kaffeegeschäft nicht mehr genügend lukrativ war und die aufgegeben hatten, kommen jetzt wieder zurück.

Herr Munyui, vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Partner im Überblick:

4C Association

The Common Code for the Coffee Community (4C) Association ist ein weltweiter Zusammenschluss von Kaffeeproduzenten, Handel, Industrie und weiteren Mitgliedern aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Er setzt sich dafür ein, die sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen für diejenigen zu verbessern, deren Lebensgrundlage von der Arbeit mit Kaffee abhängt.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Die GIZ ist die staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland. Sie hat sich im Januar 2011 als Verschmelzung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (Inwent) und des Deutschen Entwicklungsdiensts (DED) gebildet. Als Bundesunternehmen unterstützt die GIZ die Bundesregierung in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und ist in der internationalen Bildungsarbeit aktiv.

ECOM Coffee

Die ECOM Coffee Gruppe ist ein seit über 60 Jahren weltweit operierendes Handels- und Exportunternehmen, das sich dazu verpflichtet hat, rund um den Globus solide Partnerschaften zu etablieren und auszubauen. Der Fokus liegt in der Belieferung der Kunden mit hochwertigen Produkten gemäß den individuellen Bedürfnissen. Mit über 20 Büros und Repräsentanzen weltweit arbeitet ECOM Coffee beständig daran, seine Erfahrungen zu vertiefen und die Partnerschaften auszubauen, um seinen Klienten professionellen Service und unvergleichliche Qualität bieten zu können.

Rainforest Alliance

Die international anerkannte Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance setzt sich seit 1987 für ökologisch und sozial verträgliche Anbaumethoden ein. Das Rainforest Alliance Certified™ Siegel steht für den schonenden Umgang mit dem sensiblen Ökosystem tropischer Regenwald und für die nachhaltige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in den kaffeeanbauenden Ländern.

Weltbank

Die Weltbank oder „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ wurde 1944 anlässlich der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods gegründet. Ursprünglich war ihr Ziel, die durch den Zweiten Weltkrieg finanziell stark betroffenen Länder beim Wiederaufbau zu unterstützen. Heute besteht die Hauptaufgabe der einflussreichen Organisation, die sich im Wesentlichen durch die Emission von Schuldverschreibungen finanziert, in der Förderung von Entwicklungsländern bzw. von Projekten in den jeweiligen Ländern. Dies geschieht über die Vergabe von mittel- bis langfristigen Krediten.

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