Nachhaltigkeitsbericht 2010

Nachhaltigkeitsmanagement

Soziale Verantwortung, Umweltbewusstsein und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich bei Tchibo nicht aus, sondern bilden die Säulen unserer Zukunftssicherung.

„Verantwortung ist mehr als ein Begriff“

Achim Lohrie, Leiter des Bereichs Unternehmensverantwortung bei Tchibo, über gelebte Nachhaltigkeit.

Seit 2006 ist Achim Lohrie Leiter des Bereichs Unternehmensverantwortung bei Tchibo. Im Interview berichtet der 52-Jährige, was sich seither im Thema Nachhaltigkeit bei Tchibo getan hat, an welche Grenzen er bei seiner Arbeit stößt – und welche Ziele er erreichen möchte.


Der Bereich Unternehmensverantwortung wurde 2006 gegründet. Mit welchem Ziel?

Tchibo ist in den vergangenen Jahrzehnten rasant gewachsen, von einem deutschen Kaffeeröster zu einem global agierenden Industrie- und Handelskonzern. Mit diesem Wachstum ist auch die Verantwortung für Mensch und Umwelt gestiegen. Deshalb wurde Nachhaltigkeit 2006 in die Konzernstrategie integriert und der Bereich Unternehmensverantwortung gegründet, der direkt an den Vorstandsvorsitzenden berichtet. Dabei folgen wir dem Grundsatz, dass bei allen geschäftlichen Aktivitäten ökologische und soziale Kriterien zu berücksichtigen sind. Damit sichern wir zugleich die Zukunftsfähigkeit unseres Geschäfts.

Inwiefern?

Ein einfaches Beispiel: Kaffee ist ein landwirtschaftliches Produkt und benötigt besondere klimatische Bedingungen, um optimal zu gedeihen. Der Klimawandel wird die Anbaubedingungen in einer Form verändern, dass Ertrag und Qualität der Kaffeeernte beeinträchtigt sind. Um unseren Kunden auch zukünftig noch besten Kaffee anbieten zu können, müssen wir gegensteuern. Wir müssen Kaffeefarmer darin schulen, Kaffeepflanzen und Anbaumethoden widerstandsfähiger gegen die Folgen eines bereits unabwendbaren Klimawandels zu machen, etwa durch die Pflanzung von Schattenbäumen und vielfältige Methoden zur Verhinderung von Bodenerosion. Darüber hinaus müssen wir den Kaffeefarmern zeigen, wie sie ihren eigenen Beitrag zum Klimawandel reduzieren können. Das gilt auch für uns als Kaffeeröster und Kaffeehändler, z. B. indem wir unsere Gütertransporte möglichst klimaschonend gestalten, moderne Rösttechnologie anwenden, unseren Fuhrpark auf verbrauchsarme Fahrzeuge umstellen oder an unseren Standorten Energie aus regenerativen Quellen verwenden.

Vor gut fünf Jahren haben Sie also begonnen, die unternehmerische Verantwortung von Tchibo zu systematisieren und ganzheitlich anzugehen. Was sind dabei die Grundlagen Ihres Handelns?

Das Fundament unseres Ansatzes bilden drei klar formulierte Prinzipien. Erstens: Verantwortung zu übernehmen ist bei Tchibo Teil der Geschäftsstrategie. Zweitens: Bei Kaffee und Gebrauchsartikeln berücksichtigen wir ökologische und soziale Aspekte im gesamten Produktlebenszyklus – vom Ressourceneinsatz über die Herstellung des Produktes durch unsere Lieferanten bis zur Entsorgung. Drittens: Wir orientieren uns konsequent an den Bedürfnissen und Wünschen unserer Kunden sowie ihrer Interessensvertreter aus der sog. Zivilgesellschaft.

Wo stehen Sie heute? Gab es auch Rückschläge?

Unternehmensverantwortung ist in unserem Unternehmen fest verankert und wird von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelebt. Dass Verantwortung mehr als nur ein Begriff ist, zeigen die Ergebnisse. Beispielsweise konnten wir den Anteil des von uns verarbeiteten nachhaltig angebauten Rohkaffees sowie der umwelt- und sozialverträglich hergestellten Gebrauchsartikel in unserem Sortiment kontinuierlich steigern. Zudem unterstützen wir die Implementierung von Sozialstandards in den Produktionsstätten unserer Lieferanten für Gebrauchsartikel durch ein umfassendes Schulungsprogramm und an unseren Standorten kommt nur Strom aus regenerativen Quellen zum Einsatz. Aber wir stoßen auch an Grenzen, die sich unserer Auffassung nach nur durch einen gemeinsamen Schulterschluss aller gesellschaftlichen Kräfte überwinden lassen. Das gilt z. B. für die Durchsetzung existenzsichernder Löhne und des Rechts auf Gewerkschafts- und Tarifverhandlungsfreiheit in asiatischen Zuliefererbetrieben sowie für die Abschaffung von Kinderarbeit in der Landwirtschaft von Entwicklungsländern.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Wir haben uns ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Wir wollen erreichen, dass unsere Produkte und wesentlichen Prozesse unter ökologischen und sozialen Kriterien optimiert sind und dass dies von unseren gesellschaftlichen Anspruchsstellern – allen voran unseren Kunden – auch so wahrgenommen wird. Sie sollen mit der Marke Tchibo automatisch auch Nachhaltigkeit verbinden.

Wie wollen Sie das erreichen?

Wir setzen insbesondere auf langfristige, partnerschaftliche und transparente Geschäftsbeziehungen mit unseren Zuliefern. Wie wir in den vergangenen 5 Jahren gelernt haben, begründet und beschleunigt das die Entwicklung nachhaltiger Produkte und Prozesse ganz wesentlich. Außerdem wollen wir den Dialog mit unseren gesellschaftlichen Anspruchsstellern weiter vertiefen. Dann werden wir auch die Herausforderungen bewältigen, vor denen wir allein kapitulieren müssten.

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