Auch neue Fragen verlangen Antworten
Wie sich Tchibo bisher ungelösten Herausforderungen in der Lieferkette stellt.
Verhaltenskodex, regelmäßige Audits und der offene Dialog mit unseren Lieferanten und Stakeholdern sind unverzichtbare Werkzeuge, um unserer Verantwortung als international einkaufendes Unternehmen gerecht zu werden. Je mehr Transparenz wir schaffen, desto mehr Fragestellungen tun sich auf, denen wir uns stellen müssen.
Aktuelle Entwicklungen in den Produktionsländern oder neue Forschungserkenntnisse stellen die gesamte Kaffee- und Konsumgüterbranche wieder vor neue Herausforderungen in der Lieferkette. Dabei priorisieren wir unsere Anstrengungen hinsichtlich der Dringlichkeit der Themen. An dieser Stelle informieren wir Sie über die Sachthemen, denen wir gegenwärtig besondere Aufmerksamkeit widmen.
Existenzsichernde Löhne
Wir sind der Meinung: Wer an der Herstellung unserer Produkte mitwirkt, sollte mit seinem Arbeitslohn sowohl sich selbst als auch seine abhängigen Familienangehörigen ernähren können. Ein Teil des Verdienstes sollte zudem zur freien Verfügung übrig bleiben. Zwar gibt es in den meisten Produktionsländern gesetzlich festgeschriebene Lohnuntergrenzen. Allerdings sind diese Mindestlöhne häufig sehr niedrig angesetzt. Nur in Ausnahmefällen können die Beschäftigten damit ihren Lebensunterhalt decken.
Der Einführung von sogenannten "basic needs wages" steht oft der durch den internationalen Wettbewerb der Handelsunternehmen erzeugte Preisdruck entgegen. Aus Wettbewerbsgründen haben in der Regel auch die Regierungen der Produktionsländer kein Interesse an einer Verteuerung der Arbeitskosten in ihren Schlüsselindustrien. Existenzsichernde Löhne lassen sich flächendeckend deshalb nur in enger Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Anspruchssteller einführen. Grundlage hierfür ist eine länderübergreifende gesetzliche Harmonisierung des Lohnniveaus. Wenn "basic needs wages" in allen Produktionsländern gesetzlich festgelegt wären, würde der Wettbewerb der Produktionsländer und der internationalen Handelsunternehmen untereinander nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen können.
Um eine solche Entwicklung gemeinsam mit anderen internationalen Handelsunternehmen und gesellschaftlichen Anspruchsgruppen zu forcieren, engagieren wir uns in zahlreichen Foren, Netzwerken und Organisationen, beispielsweise bei der Ethical Trading Initiative (ETI), bei Social Accountability International (SAI) oder beim Runden Tisch Verhaltenskodizes. Auch begrüßen wir die Asia Floor Wage (AFW) Kampagne. Diese internationale Initiative namhafter Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften hat das Ziel, existenzsichernde Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen im gesamten asiatischen Raum durchzusetzen.
Unsere Stellungnahme gegenüber der AFW können Sie hier einsehen (nur auf Englisch verfügbar).
Mehr zum Thema existenzsichernde Löhne finden Sie hier.
Sandblasting
Verwaschene, ausgebleichte Jeans im Vintage-Stil liegen seit Jahren im Trend. Dieser „Used Look“ wird mit speziellen Bearbeitungstechniken erzielt, beispielsweise dem sogenannten Sandblasting. Das Verfahren, bei dem die Kleidungsstücke mit feinem Sandstaub bestrahlt werden, birgt jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken für die Beschäftigten in der Jeansproduktion. Das Einatmen des Sandstaubs kann zu Silikose in der Lunge mit tödlichen Folgen für die Beschäftigten führen. Das ist nicht akzeptabel.
Seit im Jahr 2009 erstmals über die mit Sandblasting verbundenen Gesundheitsgefahren berichtet wurde, hat Tchibo vielfältige Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung einer bereichsübergreifenden Arbeitsgruppe „Jeans“ sowie die Sensibilisierung unserer Lieferanten bezüglich der Gesundheitsgefahren der Bearbeitung mit Sandstrahlgebläse. Seit Oktober 2010 gilt für alle Tchibo Jeansartikel ein generelles Sandblasting-Verbot. Die letzten Tchibo Jeansartikel, die noch im Sandblasting-Verfahren bearbeitet wurden, wurden im Sommer 2009 bestellt und unter besonderen Schutzmaßnahmen produziert. Im April 2010 waren sie im Verkauf.
Das Tchibo Positionspapier zum Thema Sandblasting finden Sie hier.
Kinderarbeit
Trotz intensiver internationaler Bemühungen ist Kinderarbeit, insbesondere in der Landwirtschaft in Entwicklungsländern, nach wie vor ein Problem. Tchibo kann dies vor allem beim Kaffeeanbau betreffen. Die Kinder leben in der Regel gemeinsam mit ihren Eltern auf den Farmen. Manche helfen ihnen in der Erntezeit. Häufig fällt die Erntezeit ganz oder teilweise mit den Schulferien zusammen. Diese Erntehilfe wird als „leichte Form der Kinderarbeit“ altersabhängig und mit Rücksichtnahme auf den Entwicklungsstand der betroffenen Länder von Gesetzgebern, internationalen Entwicklungs- und Standardorganisationen und Standards toleriert. Voraussetzung dafür ist, dass die Beschulung der Kinder nicht beeinträchtigt wird.
Leider kommt es aber immer wieder vor und ist nur schwer zu kontrollieren, dass Kinder während der Schulzeit arbeiten und schwere und/oder gefährliche Arbeiten erledigen, die in jedem Fall verboten sind. Das Schleppen von vollen Kaffeesäcken ist ohne jeden Zweifel als schwere Arbeit einzuordnen – wenn es in der Hanglage erfolgt, sogar als gefährliche Arbeit.
Zusammen mit unseren Partnern wie beispielsweise der Rainforest Alliance, Fairtrade und den hinter dem Bio-Siegel stehenden Organisationen setzen wir uns deshalb international für einen sozial- und umweltverträglichen Kaffeeanbau ein. Im Sozialbereich gehören hierzu mindestens alle Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einschließlich fairer Bezahlung und des Verbots von Kinderarbeit. Die Experten erkennen dies auch an und honorieren unsere Bemühungen.
Die Abschaffung aller Formen von Kinderarbeit hat jedoch nur dann eine Chance, wenn die Eltern ihre Kinder auch zur Schule schicken (können) und in unterrichtsfreien Zeiten ein altersgerechtes Betreuungsangebot zur Verfügung steht. Wir führen in Guatemala deshalb gemeinsam mit einer örtlichen Nichtregierungsorganisation ein Pilotprojekt durch. Dieses hat zum Ziel, die Eltern zu sensibilisieren und ihren Kindern die Nutzung der im Projekt gemeinsam zu schaffenden Betreuungsangebote zu ermöglichen. Das schließt die Unterstützung beim Bau und bei der Unterhaltung von Schulen mit ein. Zum Projekt gehört auch die Kompensation ausgefallener Ernteerträge der Kinder.
Mehr zum Thema Kinderarbeit im Zusammenhang mit der Herstellung von Tchibo Gebrauchsartikeln sowie dem Themenbereich Audits lesen Sie hier.
Tierschutz
Wir sehen es als unsere Pflicht gegenüber nachfolgenden Generationen an, verantwortlich mit der Umwelt umzugehen. Neben dem Klimaschutz und einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit dem Tierschutz. So verwenden wir für unsere Gebrauchsartikel ausschließlich Daunen, Federn und Leder, die als Nebenprodukte bei der Nahrungsmittelproduktion entstehen.
Bereits seit einigen Jahren ersetzen wir Echtpelze durch hochwertige Webpelze.
Tchibo unterstützt zudem den Appell von VIER PFOTEN. Die internationale Tierschutzorganisation fordert von der EU-Kommission ein striktes Verbot jeglicher Entnahme von Daunen und Federn bei lebenden Tieren. Dem offenen Brief haben sich neben Tchibo auch andere führende Handelsunternehmen angeschlossen.
Mehr Informationen zu VIER PFOTEN finden Sie hier.
