Nachhaltigkeitsbericht 2010

Verantwortung in Lieferketten

Ob Kaffee oder Gebrauchsartikel: Tchibo setzt sich in seinen Lieferketten für die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt ein.

Globale Arbeitsteilung nutzen, Verantwortung übernehmen

Wie sich Tchibo in den Produktionsländern für die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards bei Lieferanten einsetzt.

Internationale Handelsunternehmen nutzen die Möglichkeiten der globalen Arbeitsteilung. Auch Tchibo gewährleistet die Vielfalt und Qualität seines Gebrauchsartikelsortiments mit Hilfe eines weltweiten Netzwerks von Geschäftspartnern. Globale Präsenz bringt dabei auch große Verantwortung mit sich. Tchibo ist überzeugt: Unternehmerischer Erfolg darf nicht zu Lasten von Mensch und Umwelt gehen. Deshalb tritt Tchibo in seinen Produktionsländern für die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards ein.


Die Liberalisierung von Waren- und Finanzströmen hat zu einer globalen Arbeitsteilung geführt, in der Länder sich auf ihre Wettbewerbsvorteile konzentrieren. In Entwicklungs- und Schwellenländern kann meist zu besonders wettbewerbsfähigen Preisen produziert werden. Daher beziehen viele internationale Handelsunternehmen – darunter auch Tchibo – einen Großteil ihrer Konsumgüter aus Asien. Diese internationale Arbeitsteilung kann für alle Seiten große Chancen eröffnen – allerdings nur, wenn diese nicht auf Kosten der Beschäftigten geht. Regierungen, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, Handelsunternehmen und Lieferanten tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass soziale und ökologische Standards konsequent und überall eingehalten werden.

Fair und verträglich – bei jedem Schritt in der Wertschöpfungskette

Wir wollen unseren Kunden Produkte bieten, die höchste Qualität haben und Mensch und Umwelt möglichst wenig beeinträchtigen – sowohl bei der Rohstoffgewinnung und Herstellung als auch beim Gebrauch und bei der Entsorgung. Um dieses Ziel zu verwirklichen, setzen wir vor allem auf eines: die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten und gesellschaftlichen Anspruchsgruppen sowohl in Deutschland als auch in den Produktions- und Ursprungsländern.

So verpflichten wir alle unsere Zulieferer auf einen verbindlichen Verhaltenskodex (Social Code of Conduct), der seit 2006 Bestandteil aller Einkaufsverträge ist. Der Kodex basiert unter anderem auf den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und umfasst insgesamt zehn Prinzipien zur Sicherstellung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen – wie etwa das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit oder die Einhaltung höchstzulässiger Arbeitszeiten. Inwieweit die Sozialstandards von den Produktionsstätten umgesetzt werden, überprüfen wir nicht nur bereits vor jeder Auftragsvergabe, sondern auch nach Produktionsbeginn in regelmäßigen Audits.

Langfristige Veränderungen anstoßen – durch Qualifizierung und Kooperation

Um mögliche Verstöße festzustellen, aber vor allem um langfristige und nachhaltige Verbesserungen zu erreichen, liegt unser Fokus auf Maßnahmen zur Sozialqualifizierung von Lieferanten: Mit unserem WE (Worldwide Enhancement of Social Quality) Programm, das wir 2007 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und mit Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen eines Pilotprojekts gestartet haben, haben wir die Grundlagen dafür geschaffen: Das Schulungskonzept befähigt Manager und Beschäftigte, Ursachen und Problemstellungen zu erkennen sowie eigenständig Lösungen für die Herausforderungen in ihren Betrieben zu entwickeln – und auch umzusetzen. Nach einer erfolgreichen dreijährigen Pilotphase, in der sich 40 Produktionsstätten in China, Bangladesch und Thailand beteiligten, haben wir das Projekt 2010 in ein Programm überführt.

Es lassen sich jedoch nicht alle Sozialstandardprobleme auf der Mikroebene der Betriebe lösen. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir gemeinsam mit lokalen und internationalen Akteuren an Lösungen für Themen, die einen gesellschaftlichen Konsens oder entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen erfordern. Dies bezieht sich besonders auf existenzsichernde Löhne und das Recht der Beschäftigten, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Tarifverhandlungen zu führen.

Dialog statt „erhobener Zeigefinger“

Wir sind überzeugt, dass über eine partnerschaftliche Erarbeitung praktikabler Lösungsansätze die besten Ergebnisse erzielt werden. Statt zu belehren, setzen wir deshalb auf einen vertrauensbildenden und effektiven Dialog aller Beteiligten. Dazu gehören die Manager der Produktionsstätten genauso wie die Beschäftigten, die Einkäufer, Gewerkschaften sowie Repräsentanten örtlicher Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Nur wenn wir die Kultur vor Ort respektieren und sensibel mit den nationalen Gegebenheiten umgehen, können wir internationale Sozialstandards dauerhaft verankern.

Unser Ziel: Transparenz und Langfristigkeit in der Lieferkette

Wo, unter welchen Bedingungen und von wem werden unsere Produkte hergestellt? Um soziale Mindeststandards vor Ort zu fördern, müssen wir die Antwort auf diese Fragen kennen. Aus diesem Grund setzen wir in unserem Lieferanten- und Produzentennetzwerk auf Kooperation, Transparenz und Langfristigkeit. Nur so können gemeinsam Schritt für Schritt Verbesserungen erzielt werden.

Eine Herausforderung stellt dabei die Vielfalt unseres Produktsortiments und damit unsere Zuliefererstruktur dar. Besonders im Hartwaren- und Elektronikbereich erfordert jede Produktkategorie unterschiedliche Fertigungsprozesse. Viele unserer Lieferanten sind daher auf einzelne Produkte spezialisiert. Folglich sind wir auf eine Vielzahl unterschiedlicher Zulieferer angewiesen. So haben wir 2010 bei zirka 930 Produzenten eingekauft. Diese Vielzahl und Vielfalt von Zulieferern erhöht die Gefahr, dass Teile einer Produktion ohne unser Wissen an sogenannte Subkontraktoren ausgelagert werden.

Dieser Gefahr begegnen wir insbesondere dadurch, dass wir das Lieferanten- und Produzentennetz im Bereich Gebrauchsartikel auf unsere wichtigsten Zulieferer fokussieren werden. So erhöhen wir die Dauer unserer Geschäftsbeziehungen, stärken das Vertrauensverhältnis und verringern die Wahrscheinlichkeit von unangemeldetem Subcontracting. Gleichzeitig können wir unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen noch zielgerichteter planen und umsetzen.

Alle Seiten profitieren

Von langfristigen und transparenten Geschäftsbeziehungen profitieren alle Seiten. Sie fördern die Produktqualität und die Effizienz in der Auftragsabwicklung – dies ist für uns als Unternehmen wichtig. Gleichzeitig erhöht sich für unsere Zulieferer die Planungssicherheit und die Bereitschaft, in modernere Produktionsprozesse und verbesserte Arbeitsbedingungen zu investieren. Und das wiederum hilft den Beschäftigten und der Umwelt.






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