Tiefgreifender Wandel gelingt nur, wenn alle einbezogen werden und alle mitarbeiten.

Allein kommen wir nicht weiter

In unseren Branchen haben wir oft mit Herausforderungen zu kämpfen, die systemisch sind. Sie sind tief in der globalisierten Wirtschaft verankert. Zum Beispiel niedrige Löhne, gefährliche Arbeitsplätze oder Kinderarbeit,

An diesen Stellen kommen wir allein nicht weiter. Wir brauchen einen tiefgreifenden Wandel.

Dafür müssen Politik, Unternehmen, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen an einem Strang ziehen. Deshalb engagieren wir uns in verschiedenen Initiativen – sowohl auf Branchenebene als auch darüber hinaus. Zusammen verändern wir uns und die Welt zum Besseren.

Tiefgreifender Wandel gelingt nur, wenn alle einbezogen werden und alle mitarbeiten. Das ist unser Weg zum Erfolg.

Uns ist wichtig, dass die Interessen von Arbeiter*innen und Betroffenen in unseren Initiativen vertreten sind. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit dem Gewerkschaftsverband IndustriALL Global Union und dessen Mitgliedern zusammen, beispielsweise zum Gebäude- und Brandschutz im Bangladesh Accord oder für existenzsichernde Löhne in ACT on Living Wages.

Sektorweite Ansätze sind unsere Antwort auf die Herausforderungen unserer Branchen. Neue und systemische Lösungen brauchen jedoch viel Zeit, sie bearbeiten komplexe Probleme und müssen Betroffene integrieren. Ihre Fortschritte mögen kleinteilig erscheinen und sich nicht auf den ersten Blick erschließen, aber sie sind sehr wertvoll für den systemischen Wandel, den wir anstreben. Trotzdem kommen wir nicht immer so schnell voran wie nötig.

Unsere Sektorinitiativen

  • Bangladesh Accord

    Das Gebäudesicherheits- und Brandschutzabkommen „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ ist die weltweit erfolgreichste Initiative zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Ihr haben sich 190 Markenunternehmen angeschlossen, die dadurch 1.600 Fabriken und über 2 Millionen Menschen im Bangladesch in das Programm aufgenommen haben.

    In den sechs Jahren seit Beginn des Accords konnten wir große Erfolge erzielen. 2019 haben wir wichtige Schritte gemacht:

    – 97 % der sicherheitstechnischen Mängel der Tchibo Produzent*innen wurden behoben. Das liegt über dem Durchschnitt aller 1.600 Accord-Fabriken. Fortschritte haben wir in den Bereichen Gebäudestruktur und elektische Sicherheit gemacht. Der Bereich Brandschutz muss aber noch intensiver verbessert werden.

    – Alle unsere Produzent*innen wurden in Accord-Programme integriert, die Sicherheitskomitees in den Fabriken aufbauen und diese trainieren. Bisher haben 75 % der Fabriken an dem Programm erfolgreich teilgenommen.

    - Der Accord wird 2020 in eine neue Organisation überführt, die nun auch die Textilindustrieverbände Bangladeschs BGMEA und BKMEA einbezieht und damit in die Verantwortung nimmt. Die strengen Standards und Prozesse des Accord werden unverändert übernommen.

  • ACT on Living Wages

    In der Initiative ACT (Action, Collaboration, Transformation) wollen wir mit über 20 globalen Markenunternehmen und IndustriALL existenzsichernde Löhnen in der Textilindustrie erreichen. Sie zielt auf Lohnerhöhungen durch die Kombination von industrieweiten Tarifverhandlungen mit Selbstverpflichtungen zu besseren Einkaufspraktiken.

    2019 haben wir einerseits viel geschafft, andererseits sind gewisse Fortschritte schwerer zu erreichen als erhofft:

    Um eine Vergleichbarkeit zwischen den Mitgliedsunternehmen und ihren unterschiedlichen Geschäftsmodellen zu erreichen, wurden die Ende 2018 verabschiedeten Selbstverpflichtungen in konkrete und messbare Zielwerte überführt. Wir arbeiten nun mit Nachdruck an der Umsetzung dieser Ziele.

    Besonders wichtig ist dabei eine gemeinsame Methode, um Lohnkosten standardisiert in Einkaufsverträgen anzuzeigen und damit von Einkaufspreisverhandlungen auszuschließen.

    Größtes Hemmnis ist aktuell die Sorge vieler Produzentenländer, dass ACT zu höheren Löhnen führt, die nicht durch höhere Einkaufspreise kompensiert werden. Diese Sorge ist berechtigt: ACT kann nicht garantieren, dass alle Markenunternehmen weltweit einen Existenzlohn unterstützen. Deswegen setzt sich Tchibo für eine gesetzliche Verpflichtung zu menschenrechtlicher Sorgfalt ein.

  • Bündnis für nachhaltige Textilien

    Seit 2015 ist Tchibo Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien. Hier arbeiten Unternehmen, Verbände, Politik, Nichtregierungs- und Standardorganisationen, Gewerkschaften und Wissenschaft zusammen, um soziale und ökologische Standards in den Lieferketten zu verbessern.

    2019 haben wir die Bündnisinitiative Tamil Nadu erfolgreich vorangetrieben:

    Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu ist das Risiko hoch, dass Mädchen und junge Frauen in Schuldknechtschaft in Textilbetrieben arbeiten müssen, insbesondere in Spinnereien. Die Bündnisinitiative Tamil Nadu setzt deswegen vor Ort ein mehrstufiges Programm um: Ein Dialog mit Politik und Wirtschaft soll die wesentlichen Beteiligten der lokalen Textilindustrie für die Rechte der Arbeiterinnen sensibilisieren. Daneben begleitet ein Schulungsprogramm die Einrichtung von Beschwerdestellen in bis zu 200 Spinnereien und Fabriken. Zudem werden Arbeiterinnen und Management über Arbeitsrechte und Beschwerdemechanismen informiert. Bis Ende 2019 haben wir über 10.000 Arbeiter*innen und über 700 Mitglieder von Beschwerdekomitees geschult.

    Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Nichtregierungsorganisation FEMNET e. V. und Mitgliedsunternehmen des Textilbündnisses entwickelt und begleitet. Die Organisationen SAVE (Social Awareness and Voluntary Education) und MSI-TN (Multi-Stakeholder Initiative Tamil Nadu) setzen das Programm vor Ort um. Die erste Projektphase (Beginn Juni 2018) endete im Herbst 2020. Über die Fortführung der Aktivitäten sind wir im Gespräch mit den Projektpartner*innen.

    Mehr zur Bündnisinitiative auf der Webseite des Textilbündnisses.

Erfahre in unserem Nachhaltigkeitsglossar mehr über den Bangladesh Accord, ACT on Living Wages, das Bündnis für nachhaltige Textilien und die IndustriALL

Nachhaltigkeitsglossar