Tiefgreifender Wandel erfordert Programme, die auf die Befähigung der Menschen vor Ort setzen.

Unser WE Programm unterstützt Menschen in den Fabriken unserer Lieferketten darin, ihre eigenen Rechte zu erkennen und für sie einzustehen.

Eigene Rechte kennen und Ansprüche formulieren

Das Ziel des WE Programms besteht darin, die Arbeitsbedingungen in unseren Lieferketten dauerhaft und selbsttragend zu verbessern. Es unterstützt unsere Produzent*innen, die Vorgaben unseres Social and Environmental Code of Conduct (SCoC) einzuhalten und darüber hinaus zu gehen.

Wie funktioniert WE genau?

  • Menschenrechte sind komplex

    Wir verlassen uns nicht auf die reine Kontrolle unserer Zuliefer*innen durch Audits. Sexuelle Belästigung zu erkennen und zu verhindern braucht andere Herangehensweisen als Feuerschutzmaßnahmen. Menschenrechte sind nicht nur ein Resultat von Fakten, sondern basieren auf Beziehungen. Der Schlüssel für Verbesserungen liegt deshalb im Dialog aller beteiligten Menschen: Er ist unser Weg, Beziehungen und Arbeitsweisen so zu verändern, dass Menschenrechte geschützt werden. 2008, zu Beginn des WE Programms, war dieser Ansatz eine echte Innovation.

  • Die 5 Menschenrechtsbereiche in WE

    WE basiert auf unserer Abschätzung der menschenrechtlichen Risiken in unseren Non Food-Lieferketten und orientiert sich an den Standards der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und internationalen Menschenrechtskonventionen. Es konzentriert sich auf die Bereiche mit dem größten Verbesserungsbedarf:

    1. Löhne und Arbeitszeit
    2. Vereinigungsfreiheit und Arbeitnehmer*innenvertretung
    3. Diskriminierung und sexuelle Belästigung
    4. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
    5. Moderne Sklaverei und Kinderarbeit

  • Die Fabrik als Ausgangspunkt

    Das WE Programm läuft nicht nach einem festen Muster ab. Es entsteht in jeder Fabrik neu, je nachdem welche Probleme sie hat oder welche spezifisch für ihren Sektor sind. Sobald WE in einer Fabrik startet, definieren die Teilnehmer*innen die Probleme, die für sie gerade am dringlichsten sind. Sie legen so die Reihenfolge fest, in der sie die fünf Menschenrechtsbereiche bearbeiten wollen. Wir stellen sicher, dass immer Arbeiter*innen und deren Vertreter*innen sowie Fabrikmanager*innen gemeinsam an WE teilnehmen.

    Das Programm läuft je Fabrik immer mindestens zwei Jahre lang; in allen Ländern außer China führen wir das Programm kontinuierlich fort. Das heißt: Wir achten darauf, dass mindestens alle drei Monate eine Dialogeinheit stattfindet und der gesamte Entwicklungsprozess nicht abreißt.

  • Vertrauensvoller Dialog

    WE ist kein Trainingsprogramm – und Dialog heißt für uns nicht nur, dass Menschen miteinander reden. Er ist ein strukturierter Prozess, um eine wünschenswerte Zukunft zu schaffen, und fordert die Teilnehmer*innen auf, aktiv daran teilzunehmen. Um für sie ein hohes Maß an Sicherheit zu schaffen, arbeitet WE mit lokalen Teams spezialisierter Expert*innen, die diesen Prozess steuern und begleiten. Sie sind unsere WE Facilitator*innen.

    Gemeinsam mit den WE Facilitator*innen setzen sich die Teilnehmenden damit auseinander, wie ihr Arbeitsplatz und ihre Beziehungen zueinander in Zukunft aussehen sollten, anstatt ihren Blick ausschließlich auf die bestehenden Probleme zu verengen. Dieser Ansatz eröffnet ihnen neue Wege, ihre Realität zu verändern. Wir unterstützen sie dabei, alle Lösungen zusammen zu erarbeiten. Der Prozess nimmt Zeit in Anspruch. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass die Beteiligten nötige Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz auf diesem Weg am besten umsetzen können.

Wo ist WE?

Das WE Programm ist in Fabriken in Bangladesch, China, Indien, Kambodscha, Myanmar, Pakistan, der Türkei und Vietnam aktiv. Die Fabriken stellen Bekleidung und Textilien, Lederwaren, Schmuck, Elektronikartikel, Möbel, Metallwaren und Küchenutensilien für Tchibo und andere Kunden her.

Unsere Ergebnisse 2020

  • 4.200 Arbeiter*innen und Manager*innen

    haben 2020 am WE Programm teilgenommen.

  • 90 Fabriken

    sind Ende 2020 Teil des WE Programms, davon 25 neu seit 2020. Damit haben wir im Laufe der Jahre 424 Fabriken integriert.

  • In der weltweiten COVID-19 Pandemie

    haben wir verstärkt auf Online-Aktivitäten mit Fabriken gesetzt oder die Arbeit in Kleingruppen unter strenger Einhaltung der Hygienevorgaben durchgeführt. Als Themen sind der Gesundheitsschutz und der fabrikinterne Dialog in Krisenzeiten in den Vordergrund gerückt.

  • WE Facilitator*innen

    standen regelmäßig mit Arbeiter*innen und Manager*innen in Kontakt, um nachzuvollziehen, wie diese durch die Krise kommen, ob Gesundheitsschutz eingehalten und Löhne rechtmäßig gezahlt wurden.

  • In Bangladesch haben wir mit WE in vier Fabriken

    die Gründung und Weiterbildung von Komitees gegen sexuelle Belästigung und Diskriminierung unterstützt.

  • In Indien haben wir mit WE 13 Fabriken

    beim Aufbau neuer oder bei der Verbesserung bestehender Beschwerdekomitees unterstützt. In vier weiteren Fabriken wurde dieser Prozess ebenfalls begonnen.

Hausausforderungen, an denen wir kontinuierlich arbeiten

Auch wenn wir über die Jahre das Programm kontinuierlich weiterentwickeln, bleiben einige Herausforderungen bestehen – diese sind auch anderen Fachleuten im Bereich der Menschenrechts-, Transformations- oder Entwicklungsarbeit bekannt:

  • Dauerhafte Verankerung des WE Ansatzes in den Fabriken

    Wir streben an, dass sich der WE Ansatz und damit die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen dauerhaft in den Fabriken verankert. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Anwendung der Methoden und die Arbeit daran in den Hintergrund oder sogar in Vergessenheit geraten, wenn wir die Arbeit nicht begleiten. Das kann auch bei Fabriken geschehen, welche im Prozess gute Verbesserungen erzielt haben. Dies kann unterschiedliche und mehrere Gründe haben: fehlendes Engagement der Firmen- und Fabrikleitung, andere Prioritäten im Alltag der Produktion, Personalfluktuation auch im mittleren Management.
    Unsere Herangehensweise: In allen Ländern außer China begleiten wir die Fabriken momentan kontinuierlich. Für China entwickeln wir einen Ablauf, um regelmäßig mit Fabriken in Kontakt zu treten, ohne das Programm in vollem Umfang dauerhaft zu begleiten; unser Einkauf ist in diesen Prozess und in die Auswahl der Fabriken eingebunden. Wir setzen darauf, in den Fabriken Prozesse zu etablieren, Arbeitnehmervertreter*innen zu stärken und Gewerkschaften einzubeziehen.

  • Engagement der Firmenleitung

    Um möglichst viele und dauerhafte Verbesserungen in den Fabriken zu erreichen, braucht es die Zustimmung und die Unterstützung der Firmenleitung. Dies ist nicht immer zu erreichen – auch weil es sich teilweise um große Unternehmen handelt, deren Firmenleitung in anderen Ländern sitzt als an den Fabrikstandorten.
    Unsere Herangehensweise: Wir beziehen die Einkaufskolleg*innen mit ein, um die Bedeutung des Programms herauszustellen. Die erste Aktivität in einer Fabrik richtet sich an die Fabrikleitung; sie wird im Verlauf regelmäßig informiert und einbezogen.

  • Beteiligung der gesamten Belegschaft

    Viele Fabriken in Asien haben einige Tausend Mitarbeiter*innen. Deshalb ist es uns nicht möglich, alle Beschäftigten direkt in das Programm einzubeziehen. Gleichzeitig ist es das Ziel, dass möglichst viele Arbeiter*innen über ihre Rechte informiert werden und von den Verbesserungen profitieren.
    Unsere Herangehensweise: Wir setzen darauf, in den Fabriken Prozesse zu etablieren, Arbeitnehmervertreter*innen zu stärken und Gewerkschaften einzubeziehen. Wir führen Aktivitäten durch, die auf die Sichtbarkeit der Arbeit zielen, wie beispielsweise Poster-Paraden in der Kantine.

  • Wirkungsmessung

    Wir erleben, dass das WE Programm wirkt – oft in Form von verändertem Verhalten. Dies ist mit klassischer, quantitativer Wirkungsmessung oft nicht abbildbar, die von einfachen Wirkmechanismen ausgeht (Aktivität A bewirkt B). In unserer Arbeit haben wir festgestellt, dass Wirkzusammenhänge oft komplexer sind. Wir suchen deshalb nach neuen Formen der Wirkungsmessung, in die wir vor allem die Geschichten der Beteiligten und ihre Erfahrungen einbeziehen.

Was wir gelernt und verändert haben

2008

Start des WE Programms

Pilotphase mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

2012

Einbau in die Tchibo Lieferkette

Seit 2012 rollen wir das WE Programm aus. Neben den Ländern der Pilotphase, Bangladesch, China, Laos und Thailand, bauen wir das WE Programm auch in Äthiopien, Indien, Kambodscha, in der Türkei und in Vietnam auf. Bis Ende 2015 haben wir 323 Fabriken integriert.

2016

Refokussierung

Wie bei Expansionen nicht unüblich, stellen wir zu diesem Zeitpunkt fest, dass wir beim Ausbau zwischenzeitlich zu sehr auf Quantität statt Qualität gesetzt haben: Wir rücken die menschenrechtlichen Themen und die WE Werte (Dialog, Empowerment und Co-Creation zurück in den Mittelpunkt.

2018

Stärkung der Teams vor Ort

Wir führen die 2016 eingeleiteten Änderungen fort und setzen dabei gleichzeitig auf eine Stärkung und Vernetzung der lokalen WE Teams.

Bilder aus unseren WE Trainings